Wenn der Aufschlag verschwindet: Strategy, Metaplanet und der mNAV

Strategy notiert nur noch bei mNAV 1,14, Metaplanet schon unter innerem Wert. Warum der schwindende Aufschlag das Modell der Bitcoin-Firmen im Kern trifft.

Tobias Reinhardt Analyse

Jahrelang war die Rechnung einfach: Wer eine Aktie wie Strategy kaufte, zahlte einen Aufschlag auf das Bitcoin-Vermögen des Unternehmens und nahm ihn in Kauf, weil der Kurs immer weiter über dem inneren Wert lag. Genau dieser Aufschlag schmilzt gerade dahin. Die Kennzahl, an der sich das ablesen lässt, heißt mNAV, und sie ist für Anleger im DACH-Raum wichtiger, als der sperrige Name vermuten lässt.

Der mNAV setzt den Börsenwert eines Unternehmens ins Verhältnis zu seinen Bitcoin-Beständen. Die gängige Formel lautet: Marktkapitalisierung plus Schulden plus Vorzugsaktien minus Barmittel, geteilt durch den Marktwert der gehaltenen Bitcoin. Ein Wert von 1,0 bedeutet, dass der Markt das Unternehmen genau so bewertet wie seine Coins. Alles darüber ist ein Aufschlag, alles darunter ein Abschlag.

Die Zahlen, die den Wandel zeigen

Strategy, der größte Unternehmens-Halter, kam Anfang September auf einen mNAV von 1,14. Das Unternehmen hält nach eigenen Angaben 845.050 Bitcoin, im Schnitt zu 75.412 Dollar erworben, insgesamt rund 63,73 Milliarden Dollar. Bei einem Bitcoin-Kurs um 76.800 Dollar liegt der Konzern damit nur knapp über seinen eigenen Einstandskosten. Der Puffer ist dünn geworden.

Noch deutlicher ist der Fall beim japanischen Nachahmer Metaplanet. Dessen Aktie notierte zuletzt bei einem mNAV von 0,97, also unter dem Wert der eigenen Bitcoin. Der Markt bezahlt für das Unternehmen weniger, als seine Coins wert sind. Vor einem Jahr wäre das undenkbar gewesen.

UnternehmenBitcoin-BestandmNAVEinordnung
Strategy845.050 BTC1,14knapper Aufschlag
Metaplanetkeine Angabe0,97unter innerem Wert

Warum der Aufschlag das ganze Modell trägt

Der Aufschlag war nie Kosmetik, er war der Motor. Liegt der mNAV über 1, kann ein Unternehmen neue Aktien oberhalb des Bitcoin-Werts ausgeben und mit dem Erlös mehr Coins kaufen, als die neuen Aktien anteilig repräsentieren. Der Bitcoin-Bestand je Aktie steigt, ohne dass die Altaktionäre verlieren. Dieser Kreislauf hat den Aufstieg der Branche finanziert.

Fällt der mNAV in Richtung 1, stoppt der Motor. Neue Aktien bringen dann keinen zusätzlichen Bitcoin je Anteil mehr. Sinkt der Wert unter 1, kehrt sich die Logik sogar um: Eine Kapitalerhöhung verwässert die bestehenden Aktionäre, statt ihnen zu nutzen. Ein Unternehmen, das dauerhaft unter innerem Wert notiert, verliert also sein wichtigstes Werkzeug, um zu wachsen. Der Analystenkommentar, wonach derzeit kaum eine Bitcoin-Schatzfirma den Umbruch unbeschadet übersteht, zielt genau darauf.

Was das für DACH-Anleger bedeutet

Viele Anleger in Deutschland, Österreich und der Schweiz kennen diese Aktien als bequemen Umweg zum Bitcoin, oft als Ersatz für einen Spot-ETF, den es hierzulande so nicht gibt. Genau hier lohnt der Blick auf den mNAV. Wer eine solche Aktie mit Aufschlag kauft, erwirbt Bitcoin-Nähe teurer als nötig. Ein börsengehandeltes Produkt auf Xetra bildet den Bitcoin dagegen weitgehend eins zu eins ab, abzüglich der Gebühren, ganz ohne die zusätzliche Schicht aus Unternehmensschulden und Bewertungsprämie.

Die Kehrseite kennt jeder, der sich gefragt hat, warum es in Deutschland keinen Krypto-ETF wie in den USA gibt. Der Umweg über Aktien oder ETPs war lange die praktische Antwort. Welche Wege der DACH-Raum konkret bietet, zeigt der Überblick zu den Produkten auf Xetra.

Hinzu kommt ein Punkt, den viele erst beim Verkauf bemerken: die Steuer. Physisch besicherte Krypto-Wertpapiere werden in Deutschland nach heutiger Rechtslage oft wie ein privates Veräußerungsgeschäft behandelt, bei dem nach der einjährigen Haltefrist nach Paragraf 23 EStG ein steuerfreier Verkauf möglich ist. Eine Aktie folgt dagegen der Abgeltungsteuer und kennt diese Haltefrist nicht. Wer allein wegen der Bitcoin-Nähe zur Unternehmensaktie greift, wählt womöglich auch steuerlich den ungünstigeren Weg. Das ist keine Steuerberatung, aber ein Faktor, der in die Gesamtrechnung gehört.

Das Gegenargument

Es gibt eine Lesart, die den Abschlag als Chance sieht. Wer Metaplanet unter innerem Wert kauft, bekommt rechnerisch einen Dollar Bitcoin für 97 Cent. Das klingt verlockend, blendet aber zwei Dinge aus. Erstens sitzt bei vielen Firmen Fremdkapital in der Struktur, das im Abschwung zuerst bedient werden will. Zweitens gibt es keine Garantie, dass der Abschlag sich schließt; er kann bestehen bleiben oder größer werden, und die Coins landen deshalb nicht automatisch beim Aktionär. Ein Abschlag ist eben kein Gutschein.

Bleibt die Einordnung. Dass Strategy nur noch knapp über dem eigenen Einstand steht und Metaplanet bereits darunter, ist kein kurzes Zittern am Markt, sondern eine strukturelle Frage. Schon vor Wochen war absehbar, dass Strategy zwar weiter Bitcoin kaufte, die Aktie aber im Rückwärtsgang blieb. Für Anleger im DACH-Raum ist der mNAV damit weniger eine Fußnote als ein Preisschild, das man vor dem Kauf lesen sollte.

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