Während in den USA seit Monaten über die Zulassung von Spot-ETFs auf Solana und XRP gestritten wird, können Anlegerinnen und Anleger im DACH-Raum längst in ein breites Bündel an Altcoins investieren, und zwar über die vertraute Börse. Möglich machen das börsengehandelte Produkte, sogenannte ETPs, die auf Xetra und anderen europäischen Handelsplätzen laufen. Ein aktuelles Beispiel zeigt, wie weit dieser Weg bereits ausgebaut ist: ein gleichgewichteter Altcoins-Korb, der zehn Kryptowerte in einem einzigen Wertpapier bündelt.
Warum es ETPs statt ETFs sind
Der wichtigste Unterschied vorweg: In Deutschland gibt es keinen klassischen Krypto-ETF wie in den USA. Das liegt an den europäischen UCITS-Regeln, die einem Fonds eine Mindeststreuung vorschreiben und einen Fonds mit nur einem einzigen Vermögenswert wie Bitcoin ausschliessen. Der Ausweg sind ETPs, also börsengehandelte Schuldverschreibungen, die den Kurs eines Kryptowerts oder eines ganzen Korbs abbilden und meist physisch mit den hinterlegten Coins besichert sind. Warum diese Konstruktion nötig ist, vertieft der Beitrag dazu, warum es in Deutschland keinen Krypto-ETF wie in den USA gibt.
Für den Anleger fühlt sich der Handel trotzdem an wie bei einer Aktie. Das ETP hat eine ISIN, ist über das gewohnte Wertpapierdepot handelbar und läuft während der Xetra-Handelszeiten. Der Markt ist zudem breit: Über manche Broker sind inzwischen mehrere Dutzend Krypto-ETPs verfügbar, von einzelnen Coins über Ethereum-Produkte bis hin zu breit gestreuten Körben aus mehreren Altcoins.
Der Altcoins-Korb im Detail
Wie ein solches Korbprodukt aufgebaut ist, zeigt der Altcoin-Index-ETP des Anbieters Virtune, der unter anderem auf Xetra gelistet ist. Das Produkt bildet zehn Altcoins ausserhalb von Bitcoin und Ethereum ab und gewichtet sie zu gleichen Teilen. Einmal im Monat wird der Korb wieder auf die Gleichgewichtung zurückgesetzt, damit kein einzelner Wert übermässig dominiert.
| Merkmal | Ausprägung |
|---|---|
| Enthaltene Werte | zehn Altcoins, je 10 Prozent |
| Beispiele im Korb | Cardano, BNB, Solana, XRP, Chainlink, Stellar, Toncoin |
| Gewichtung | gleichgewichtet, monatlich zurückgesetzt |
| Handelsplatz | unter anderem Xetra |
Nach Angaben des Anbieters legte dieser Korb im August um rund 18 Prozent zu. Solche Momentaufnahmen sind mit Vorsicht zu geniessen, denn der August war insgesamt ein starker Monat für Kryptowerte, und ein einzelner Monatsgewinn sagt wenig über die langfristige Entwicklung. Wie schwankungsanfällig das Segment ist, zeigt der Rückblick darauf, dass bei vielen Altcoins nach der August-Rally das Jahresminus tief blieb.
Was der Korb kann und was nicht
Der Reiz eines gleichgewichteten Korbs liegt in der Streuung. Statt auf einen einzelnen Altcoin zu setzen, verteilt der Anleger sein Risiko auf mehrere Projekte, und die monatliche Rückgewichtung nimmt automatisch Gewinne bei Ausreissern mit und stockt schwächere Werte auf. Das ist eine disziplinierte Regel, die vielen Privatanlegern im Alleingang schwerfällt.
Dem stehen klare Nachteile gegenüber. Ein ETP ist eine Schuldverschreibung gegenüber dem Herausgeber, weshalb ein Emittentenrisiko besteht, auch wenn seriöse Anbieter die Coins physisch hinterlegen. Hinzu kommen laufende Gebühren, die den Ertrag über die Zeit schmälern. Und die Gleichgewichtung bedeutet, dass ein sehr grosser Wert wie Solana genauso stark gewichtet wird wie ein kleiner Nischenwert, was die Schwankungen erhöhen kann. Wer einen Korb kauft, kauft eben auch dessen schwächste Bestandteile.
Der Kontext: Europa liefert, die USA holen auf
Der eigentliche Punkt ist der Zeitvorsprung. Während amerikanische Anleger noch auf grünes Licht der Aufsicht warten, ist der Zugang zu Altcoins über die Börse in Europa bereits Alltag. Das zeigt sich auch daran, wie viel Kapital in den USA in einzelne Produkte fliesst, sobald eines zugelassen wird, etwa als eine Milliarde Dollar in einen Solana-ETF floss. Für den DACH-Anleger heisst das nicht, dass ETPs automatisch die bessere Wahl sind. Es heisst, dass der Weg offensteht und dass die entscheidenden Fragen bei den Gebühren, beim Emittenten und bei der eigenen Risikobereitschaft liegen, nicht mehr bei der Verfügbarkeit. Altcoins sind an der Xetra angekommen, die Sorgfalt bleibt Aufgabe des Anlegers.