Der September bringt eine Reihe von Token-Unlocks, bei denen zuvor gesperrte Coins auf den Markt gelangen. Für Anleger klingt jede große Zahl zunächst nach Verkaufsdruck. Doch die absolute Menge freigegebener Token sagt wenig aus. Entscheidend ist, wie groß der Anteil am umlaufenden Bestand ausfällt und wie viel des Gesamtangebots ohnehin schon handelbar war. Genau dieser Unterschied trennt die harmlosen Token-Unlocks von den riskanten.
Ein Blick auf die anstehenden Termine zeigt, warum die reine Schlagzeile in die Irre führen kann.
Zur Einordnung: Viele Projekte geben ihre Token nicht auf einen Schlag aus, sondern nach einem festen Zeitplan. Anteile für Team, Investoren und Stiftung bleiben oft über Jahre gesperrt und werden nur schrittweise freigegeben. Ein Token-Unlock ist genau der Moment, in dem eine solche Tranche handelbar wird. Weil dadurch das Angebot steigt, während die Nachfrage zunächst gleich bleibt, kann der Kurs unter Druck geraten. Ob das tatsächlich eintritt, hängt jedoch von den Faktoren ab, die dieser Beitrag ordnet.
Große Zahl, kleiner Anteil: der Fall Arbitrum
Am 16. September werden bei Arbitrum nach Angaben von CryptoRank und dem Portal Gate rund 92,6 Millionen ARB freigegeben. Diese Zahl wirkt gewaltig, entspricht aber nur etwa 0,93 Prozent des Gesamtangebots. Der Kurs von ARB war in den Wochen zuvor bereits deutlich gestiegen. Eine Freigabe unterhalb von einem Prozent lässt sich von einem liquiden Markt in der Regel gut aufnehmen, zumal ein Teil der Token an das Team und an frühe Investoren geht, die nicht sofort verkaufen müssen. Wie ein großer Unlock trotz hoher Nominalsumme kaum Wirkung entfaltet, zeigte zuletzt der Fall Hyperliquid.
Kleiner Betrag, größere Gefahr
Umgekehrt können Token-Unlocks mit kleineren Stückzahlen stärker durchschlagen. Für den 20. September stehen laut Gate rund 25,7 bis 31,25 Millionen ZRO sowie etwa 17,8 Millionen KAITO an. Beide Projekte haben einen vergleichsweise geringen Umlaufanteil, ein großer Teil des Gesamtangebots ist also noch gesperrt. In solchen Fällen wiegt jede Freigabe schwerer, weil sie den handelbaren Bestand prozentual stärker erhöht. Hinzu kommen am 15. September rund 64 Millionen STRK und am 18. September etwa 73 Millionen ONDO, letztere aus dem Umfeld der realen Vermögenswerte.
| Token | Datum | Freigabe (ca.) | Einordnung |
|---|---|---|---|
| STRK | 15. September | 64 Millionen | frühe Beitragende und Investoren |
| ARB | 16. September | 92,6 Millionen | rund 0,93 Prozent des Angebots |
| ONDO | 18. September | 73 Millionen | Umfeld realer Vermögenswerte |
| ZRO | 20. September | 25,7 bis 31,25 Millionen | geringer Umlaufanteil |
| KAITO | 20. September | 17,8 Millionen | geringer Umlaufanteil, sensibler |
Worauf Anleger achten sollten
Die Lehre aus den September-Token-Unlocks ist einfach: Nicht die Größe der Freigabe zählt, sondern ihr Verhältnis zum Umlauf und die Frage, wer die Token erhält. Gehen sie über einen Airdrop an Nutzer, ist der Verkaufsdruck oft sofort spürbar. Fließen sie an Team und Investoren mit weiteren Sperrfristen, verteilt sich der Effekt über die Zeit. Anleger sollten den Umlaufanteil prüfen, bevor sie eine große Nominalzahl als Warnsignal deuten. Ähnliche Muster ließen sich schon bei den Solana-Unlocks und bei der XRP-Freigabe beobachten, bei denen die reine Stückzahl ebenfalls mehr Angst machte als der tatsächliche Effekt am Markt.