Ethereum läuft dem Bitcoin davon, fast unbemerkt

Ethereum liegt auf Monatssicht mit 29,3 Prozent vor Bitcoin. Was hinter der Stärke steckt und warum der Jahresvergleich Anleger zur Vorsicht mahnt.

Tobias Reinhardt Märkte

Während sich die Schlagzeilen um den schwächelnden Bitcoin drehen, hat sich im Hintergrund eine andere Bewegung aufgebaut. Ethereum entwickelt sich seit Wochen besser als die größere Kryptowährung, ohne dafür viel Aufmerksamkeit zu erhalten. Auf Monatssicht legte Ethereum nach Kursdaten vom 10. September rund 29,3 Prozent zu, Bitcoin kam im selben Zeitraum auf 20,7 Prozent. Auch auf Wochensicht liegt Ethereum mit 3,2 gegen 1,3 Prozent vorn.

Die Kurse selbst zeigen das Bild in absoluten Zahlen. Ethereum notierte zuletzt nahe 2.460 Dollar, Bitcoin bewegte sich zwischen 77.000 und 78.000 Dollar. Gemessen am Jahrestief hat Ethereum laut Benzinga bereits über 63 Prozent gutgemacht.

Was hinter der Stärke steckt

Ein wesentlicher Treiber ist die institutionelle Nachfrage über Fonds. Die US-Ether-ETFs verwalten inzwischen 15,57 Milliarden Dollar. Anders als beim Bitcoin spielt bei Ethereum zusätzlich das Thema Rendite eine Rolle, denn ein Teil der gehaltenen Coins wird über Staking verzinst. Gleichzeitig verknappt genau dieses Staking das frei handelbare Angebot. Wie Staking und Fondsnachfrage zusammen den verfügbaren Bestand drücken, zeigt unser Beitrag zu Staking und schrumpfendem Angebot.

Auch die Nutzung des Netzwerks stützt die Bewegung. Ein Teil der Nachfrage stammt von Anwendungen aus dem Bereich der dezentralen Finanzen und von Stablecoins, die auf der Kette abgewickelt werden. Diese laufende Aktivität unterscheidet die zweitgrößte Kryptowährung von einem reinen Wertaufbewahrungsmittel und gibt dem Kurs eine zusätzliche Grundlage. Für kurzfristige Ausschläge bleibt dennoch die Stimmung am Gesamtmarkt entscheidend, die derzeit stark an den Erwartungen zur US-Geldpolitik hängt.

ZeitraumEthereumBitcoin
Wocheplus 3,2 Prozentplus 1,3 Prozent
Monatplus 29,3 Prozentplus 20,7 Prozent
Jahrminus 42,7 Prozentminus 29,8 Prozent

Warum Vorsicht angebracht bleibt

So klar die jüngste Stärke ausfällt, auf lange Sicht relativiert sie sich. Auf Jahressicht steht Ethereum mit rund 42,7 Prozent im Minus, Bitcoin nur mit 29,8 Prozent. Ethereum hat also nicht plötzlich die Führung übernommen, sondern lediglich einen Teil seines größeren Rückstands aufgeholt. Die Outperformance der letzten Wochen ist bislang eine Erholung, keine bestätigte Trendwende. Solche Aufholphasen hat es in früheren Zyklen mehrfach gegeben, ohne dass daraus stets ein längerer Vorsprung wurde. Hinzu kommt der gemeinsame Gegenwind aus der Makroökonomie, der beide Kurse trifft, wie zuletzt die Reaktion auf US-Arbeitsmarktdaten gezeigt hat.

Was das für Anleger im DACH-Raum heißt

Für Anleger lohnt der Blick auf das Verhältnis der beiden Kurse zueinander, nicht allein auf den Bitcoin. Ein steigendes Verhältnis von Ethereum zu Bitcoin deutet häufig auf eine höhere Risikobereitschaft im Markt hin. Wer beide Werte über ETPs auf Xetra abbildet, sollte die unterschiedliche Dynamik kennen, statt sie pauschal als kleinen Bitcoin zu behandeln. Dass Bitcoin zuletzt selbst unter Druck geriet, ordnet unser Bericht zum Rutsch unter 77.000 Dollar ein. Am Ende bleibt die einfache Beobachtung: In diesem Spätsommer war Ethereum die stärkere der beiden großen Kryptowährungen.

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