Bitcoin hat den August mit einem Rekord an ETF-Zuflüssen beendet und rutscht im September trotzdem unter eine wichtige Marke. Zum Wochenstart notiert Bitcoin je nach Handelsplatz um die 76.600 bis 79.000 Dollar und damit an oder unter der Unterstützung bei rund 77.000 Dollar, die den Kurs seit dem Sommerausbruch nach unten abgesichert hatte. Der Kontrast ist bemerkenswert: So viel frisches Geld wie zuletzt floss selten in die Fonds, und dennoch fehlt dem Kurs die Kraft nach oben.
Ein Rekordmonat bei den Zuflüssen
Im August sammelten die US-Spot-ETFs auf Bitcoin nach Auswertung der Fondsdaten netto rund 3,52 Milliarden Dollar ein. Nur an fünf von einundzwanzig Handelstagen gab es überhaupt Abflüsse. Das ist umso auffälliger, als die Fonds von Januar bis Juli in Summe rund 5,30 Milliarden Dollar verloren hatten. Der August drehte diesen Trend also komplett. Wie stark einzelne Tage ausfielen, zeigte sich zuletzt, als die Bitcoin-ETFs an einem einzigen Tag 731 Millionen Dollar aufnahmen.
Genau dieser Erfolg ist aber auch der Grund zur Vorsicht. Historisch folgte auf besonders starke Zuflussmonate oft ein schwacher Anschlussmonat. In Monaten mit mehr als drei Milliarden Dollar Zufluss fiel Bitcoin im Folgemonat in sieben von zwölf Fällen. Die durchschnittliche Rendite nach solchen Monaten lag bei mageren 0,13 Prozent, verglichen mit 2,93 Prozent im langjährigen Monatsschnitt. Diese Zahlen stammen aus einer einzelnen Auswertung und sind kein Naturgesetz, sie zeichnen aber ein klares Muster.
Die Charttechnik und der September
Für die kurzfristige Richtung ist die Marke um 77.000 Dollar entscheidend. Solange sie hält, bleibt die Handelsspanne intakt. Ein nachhaltiger Bruch nach unten öffnet nach Lesart mehrerer Analysten den Weg in Richtung 62.000 Dollar. Nach oben braucht es dagegen erst einen Sprung über rund 82.700 Dollar, um wieder Fahrt aufzunehmen.
| Marke | Niveau | Bedeutung |
|---|---|---|
| Abwärtsziel | rund 62.000 Dollar | bei Bruch der Unterstützung |
| Unterstützung | rund 77.000 Dollar | Boden der Handelsspanne |
| Ausbruch nach oben | rund 82.700 Dollar | Bestätigung einer neuen Aufwärtsphase |
Auch die Saisonalität mahnt. Seit 2020 schlossen nur zwei Augustmonate im Plus, und auf beide folgte ein September mit Verlusten von 7,30 und 7,96 Prozent. Zugleich beendeten die vergangenen drei Septembermonate den Handel im Plus. Das Bild ist also gemischt, und wer daraus eine sichere Prognose ableitet, überschätzt die Aussagekraft weniger Datenpunkte.
Was Anleger im Auge behalten sollten
Auf der Angebotsseite verkauften erfahrene Adressen während der Augustrally trotz eines Plus von rund 25 Prozent Bestände, während gehebelte Positionen laut Börsendaten weiter auf steigende Kurse setzen. Ein solches Ungleichgewicht kann Rückschläge verstärken. Hinzu kommt der Makrotermin der Woche, denn der anstehende EZB-Zinsentscheid am 10. September könnte für zusätzliche Bewegung sorgen. Für Anleger im DACH-Raum mit langfristigem Horizont zählt ohnehin weniger die Tagesschwankung als die einjährige Haltefrist, nach der Kursgewinne steuerfrei bleiben. Der Blick auf die 77.000-Dollar-Marke bleibt trotzdem der schnellste Gradmesser für die Stimmung, so wie schon beim jüngsten Rutsch unter die 78.000 Dollar.