Strategy kauft wieder Bitcoin, doch die Aktie bleibt im Abschlag

Strategy kauft nach zehn Wochen Pause 4.603 Bitcoin. Doch der Bestand ist mehr wert als das Unternehmen an der Börse, aus dem Aufschlag wurde ein Abschlag.

Tobias Reinhardt Nachrichten

Strategy kauft wieder Bitcoin. Nach einer Pause von zehn Wochen erwarb das Unternehmen von Michael Saylor Ende August 4.603 Bitcoin für rund 370 Millionen Dollar, was einem Durchschnittspreis von etwa 80.400 Dollar je Coin entspricht. Der Gesamtbestand wuchs damit auf 845.050 Bitcoin. Bemerkenswert ist aber weniger der Kauf selbst als die Lage, in der er stattfindet: Der Bitcoin-Bestand von Strategy ist derzeit mehr wert als das ganze Unternehmen an der Börse.

Rückkehr nach zehn Wochen Pause

Die Wiederaufnahme der Käufe beendet eine ungewöhnlich lange Ruhephase. In den Monaten zuvor hatte Strategy sogar verkauft: Im März und im August trennte sich das Unternehmen von rund 7.000 Bitcoin zu Durchschnittspreisen von etwa 60.000 und 65.000 Dollar. Dass Strategy nun bei rund 80.400 Dollar wieder zukauft, also deutlich über den früheren Verkaufspreisen, verleiht der Rückkehr eine besondere Note. Der Markt hatte den jüngsten Rücksetzer beim Kurs zuletzt bei der Marke unter 77.000 Dollar gesehen, wie der Blick auf den Bitcoin-Kurs trotz ETF-Rekordmonat zeigt.

Wenn die Aktie unter ihrem eigenen Bitcoin notiert

Der eigentliche Punkt liegt in der Bewertung. Der Bitcoin-Bestand von Strategy war zum Zeitpunkt des Kaufs rund 68,5 Milliarden Dollar wert. Die Börse bewertete das gesamte Unternehmen jedoch nur mit einer Marktkapitalisierung von 47,3 Milliarden Dollar und einem Unternehmenswert von 50,3 Milliarden Dollar. Anders gesagt: Wer die Aktie kaufte, zahlte weniger als den Wert der darin enthaltenen Bitcoin. Der Aufschlag, mit dem Strategy jahrelang gehandelt wurde, ist zu einem Abschlag geworden. Die Lücke zwischen dem Coin-Wert von 68,5 Milliarden Dollar und dem Unternehmenswert von 50,3 Milliarden Dollar ist dabei kein Rundungsfehler, sondern beträgt mehrere Milliarden.

Diese Kennzahl, oft als mNAV bezeichnet, misst das Verhältnis von Börsenwert zu Bitcoin-Bestand. Lange lag sie über eins, weil Anleger bereit waren, für den Zugang zu Saylors Bitcoin-Strategie einen Aufpreis zu zahlen. Ein Wert unter eins dreht diese Logik um. Wie sich der mNAV zuvor entwickelt hat, ordnet der Beitrag zum mNAV von Strategy ein.

Was das für Anleger im DACH-Raum heisst

Strategy ist über Indizes und Fonds auch in vielen Depots im deutschsprachigen Raum vertreten. Ein Abschlag auf den Bitcoin-Bestand kann zweierlei bedeuten. Entweder sehen Anleger Risiken, die über den reinen Coin-Wert hinausgehen, etwa in der Verschuldung oder der Struktur des Unternehmens. Oder der Markt preist eine Skepsis gegenüber dem Modell insgesamt ein. Der neue Kauf zeigt, dass Saylor an seinem Kurs festhält, während der Markt das Unternehmen zurückhaltender bewertet als früher. Diese Spannung zwischen der Überzeugung des Managements und dem vorsichtigeren Urteil der Börse dürfte die Aktie von Strategy in den kommenden Wochen prägen und bleibt für Anleger der entscheidende Punkt.

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