Euro-Stablecoins boomen unter MiCA und bleiben doch winzig

Circles EURC dominiert den Euro-Stablecoin-Markt, der sich unter MiCA verdoppelt hat. Warum die Kategorie trotzdem unter einem Prozent des Weltmarkts bleibt.

Lena Brandhorst Analyse

Euro-Stablecoins wachsen, seit die EU mit MiCA einen klaren Rechtsrahmen gesetzt hat, so schnell wie nie. Der Marktwert der Euro-Stablecoins hat sich im Jahr nach dem Start der Regeln in etwa verdoppelt, und mit dem EURC von Circle hat sich ein klarer Marktführer herausgeschält. Und doch bleibt die ganze Kategorie winzig: Alle Euro-Stablecoins zusammen machen weniger als ein Prozent des weltweiten Stablecoin-Marktes aus. Diese Spannung zwischen rasantem Wachstum und geringer absoluter Grösse ist die eigentliche Geschichte.

MiCA hat den Markt bereinigt

Mit dem Inkrafttreten der Regeln für wertreferenzierte Token Anfang 2025 wurde die Lage für Stablecoin-Anbieter binär. Wer die Vorgaben erfüllte, behielt den Zugang zu den regulierten Handelsplätzen in Europa. Wer sie nicht erfüllte, flog von den grossen Börsen. Das traf vor allem einige Dollar-Stablecoins, öffnete aber zugleich die Tür für konforme Euro-Stablecoins. MiCA wirkte damit weniger als Bremse denn als Filter, der den Markt geordnet und die verbliebenen Anbieter gestärkt hat. Wie tief dieser Rahmen inzwischen greift, zeigt der Blick darauf, wie die BaFin die ersten Anbieter unter MiCA lizenziert hat.

Das Ergebnis lässt sich an den Marktanteilen ablesen. Der EURC von Circle kommt inzwischen auf rund 41 Prozent des gesamten Euro-Stablecoin-Marktwerts, nach nur etwa 17 Prozent ein Jahr zuvor. Ein einzelnes Produkt hat sich also innerhalb kurzer Zeit an die Spitze gesetzt, während kleinere Anbieter um den Rest ringen.

Wer den Euro-Markt aufteilt

Neben Circle mischen mehrere Namen mit, viele davon aus dem klassischen Finanzsektor. Die folgende Übersicht zeigt die bekanntesten MiCA-konformen Euro-Stablecoins und ihre Herausgeber.

StablecoinHerausgeberEinordnung
EURCCircleklarer Marktführer
EURCVSociété GénéraleBank-Stablecoin, zuletzt mit Zuwächsen
EURTTetheretablierter, aber kleiner Anbieter
EURAAngle ProtocolDeFi-naher Anbieter
AEURAnchored EuroNischenprodukt

Bemerkenswert ist, dass mit der Société Générale eine grosse europäische Bank hinter dem zweitgrössten Euro-Stablecoin steht. Zuletzt legte deren EURCV weiter zu und rückte hinter Circle auf den zweiten Platz. Das zeigt, dass klassische Institute den Bereich nicht mehr den reinen Krypto-Firmen überlassen. Die Grössenordnung bleibt dennoch bescheiden, denn selbst kräftige Zuwächse bewegen sich hier im Bereich einzelner Millionen pro Woche, nicht in Milliarden.

Warum das Fundament auf Ethereum ruht

Technisch ist der Euro-Stablecoin-Markt stark auf eine Blockchain konzentriert. Rund 90 Prozent der Euro-Stablecoins werden auf Ethereum ausgegeben, ergänzt um kleinere Bestände auf Solana, Polygon und Avalanche. Diese Konzentration hat Vorteile bei Liquidität und Interoperabilität, schafft aber auch eine Abhängigkeit von einer einzelnen Infrastruktur samt deren Gebühren und Auslastung. Für Anleger ist das ein oft übersehener Punkt: Ein Euro-Stablecoin ist eben nicht nur ein Versprechen des Herausgebers, sondern auch von der Kette abhängig, auf der er läuft.

Das Tempo des Wachstums lässt sich auch in Zahlen fassen. Nach Auswertungen von Marktbeobachtern hat der Euro-Stablecoin-Markt im Jahr nach dem MiCA-Start deutlich zugelegt und in der Spitze Wachstumsraten im dreistelligen Prozentbereich erreicht. Getragen wird das Wachstum der Euro-Stablecoins fast vollständig von den regulierten Anbietern, denn die Alternativen sind aus dem europäischen Markt weitgehend verschwunden. Für die Praxis bleibt der Nutzen für DACH-Anleger vorerst überschaubar. Wer im Alltag in Euro zahlt, braucht keinen Stablecoin. Interessant wird das Instrument vor allem für den Handel zwischen Kryptowerten ohne Umweg über den Dollar, für Zahlungen über Ländergrenzen hinweg und für Anwendungen im DeFi-Bereich, in denen ein wertstabiler Euro-Token als Recheneinheit dient. Genau in diesen Nischen entscheidet sich, ob aus dem heutigen Wachstum ein tragfähiger Markt wird.

Der grosse Kontext: Dollar dominiert, der digitale Euro wartet

So schnell die Euro-Stablecoins auch wachsen, sie bleiben ein Zwerg neben den Dollar-Varianten. Dass ein Währungsraum mit rund 350 Millionen Menschen und einer Wirtschaftsleistung im zweistelligen Billionenbereich bei den Stablecoins auf weniger als ein Prozent des Weltmarktes kommt, verdeutlicht den Rückstand. Genau hier setzt die politische Debatte an. Während private Anbieter den Markt aufbauen, arbeitet die EZB an einer staatlichen Alternative, deren Verhandlungen mit dem digitalen Euro im Trilog gerade in eine entscheidende Phase gehen. Beide Ansätze zielen auf dasselbe Problem, nämlich einen digitalen Euro für Zahlungen, verfolgen es aber auf entgegengesetzten Wegen.

Für die Einordnung lohnt auch der Vergleich der Rechtsräume. Europa hat mit MiCA früh geliefert, während die USA erst nachziehen, wie der Blick darauf zeigt, wie die SEC ihre Krypto-Regulierung neu ordnet. Für den europäischen Anleger heisst das: Der Euro-Stablecoin-Markt ist heute klein, aber geordnet, und er wächst aus einer Position rechtlicher Klarheit heraus. Ob daraus ein ernsthaftes Gegengewicht zum Dollar wird, entscheidet sich weniger an der Technik als an der Frage, ob genug Nutzer und Händler den digitalen Euro in der Praxis auch annehmen.

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