215 Millionen Dollar Verlust: DeFi-Angriffe prägen den August

CertiK beziffert die Krypto-Verluste im August 2026 auf 215 Millionen Dollar, davon 144,6 Millionen in DeFi. Preismanipulation dominiert, ein neuer Fall folgt.

Tobias Reinhardt Nachrichten

Der August 2026 war ein teurer Monat für die Krypto-Sicherheit. Nach Daten der Analysefirma CertiK summierten sich die Verluste durch Hacks, Betrug und Exploits auf rund 215 Millionen Dollar. Den weitaus größten Teil trugen dabei nicht gestohlene Passwörter, sondern gezielte Angriffe auf DeFi-Protokolle. Und der Monat endete, wie er verlaufen war: Am letzten Tag traf es das nächste Projekt.

Ein Monat, dominiert von Manipulation

Von den 215 Millionen Dollar entfielen laut CertiK allein 144,6 Millionen auf DeFi-Exploits, weitere 41,5 Millionen auf Phishing. Auffällig ist die Angriffsart: Mit 131,6 Millionen Dollar ging der größte Schaden auf Preismanipulation zurück, nicht auf klassischen Diebstahl von Schlüsseln. Angreifer verzerren dabei den Kurs eines Tokens innerhalb von Minuten, um sich Kapital aus einem Protokoll zu erschleichen.

Der schwerste Einzelfall traf am 30. August das Protokoll Tectonic mit einem Schaden von rund 120,4 Millionen Dollar. Die Angreifer blähten den zugehörigen Token um das rund Hundertfache auf, der gesicherte Wert des Protokolls brach von 121,7 Millionen auf etwa 3 Millionen Dollar ein. Immerhin: Ein Teil der Beute ließ sich einfrieren oder zurückholen, im gesamten Monat rund 110,7 Millionen Dollar. Zur Einordnung: Im ersten Halbjahr 2026 hatten sich die Verluste bereits auf 1,32 Milliarden Dollar über 344 Vorfälle summiert.

Der letzte Tag brachte den nächsten Fall

Dass sich das Muster fortsetzt, zeigte der 31. August. Auf der Flow-EVM-Blockchain verlor das Lending-Protokoll More Markets rund 9,3 Millionen Dollar. Der Angreifer nutzte den liquiden Staking-Token ankrFLOW als Sicherheit im sogenannten E-Mode von Aave V3 und hebelte so mehr Kreditvolumen heraus, als die hinterlegten Werte tatsächlich deckten. Am Ende blieb dem Protokoll kaum Puffer zwischen Guthaben und offenen Krediten.

Beide Fälle folgen derselben Logik: Nicht die Wallet des Nutzers wird geknackt, sondern die Preis- und Sicherheitenmechanik eines Protokolls ausgehebelt. Für Anlegerinnen und Anleger ist das eine unbequeme Erkenntnis, denn gegen diese Art Risiko hilft kein noch so gutes Passwort.

Was Anlegerinnen und Anleger daraus lernen

Die Zahlen mahnen zur Vorsicht, gerade bei hohen Renditeversprechen in DeFi. Wer sein Kapital in ein Lending-Protokoll gibt, trägt dessen technisches Risiko mit, unabhängig von der eigenen Sorgfalt. Ein Blick auf die Herkunft eines Projekts, seine Prüfungen und seine Historie ist daher Pflicht, ebenso wie die Frage, bei welchem Handelsplatz man seine Coins verwahrt.

Zugleich zeigt die Bilanz, dass die Branche an ihrer Widerstandsfähigkeit arbeitet, etwa wenn ein Großteil der Beute eingefroren werden kann oder wenn die Technik selbst sicherer wird, wie die erste quantensichere Bitcoin-Transaktion zeigt. Die vollständigen Monatszahlen stammen von CryptoTimes, die Details zum jüngsten Angriff von The Cryptonomist. Beide zusammen zeichnen das Bild eines Marktes, der wächst, aber seine Schwachstellen noch nicht im Griff hat.

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